In Österreich treten zwei Traubenwicklerarten auf, der Einbindige Traubenwickler (Eupoecilia ambiguella, EbTr abgekürzt) und der Bekreuzte Traubenwickler (Lobesia botrana, BkTr). Der EbTr bevorzugt die etwas kühleren Weinbauregionen, der BkTr ist besonders wärmeliebend. Nur an wenigen Standorten kommt ausschließlich eine der beiden Arten vor, meist handlet es sich um Mischpopulationen, in denen entweder der EbTr oder aber der BkTr zahlenmäßig dominiert. Das Verhältnis EbTr zu BkTr an einem Standort kann sich im Laufe weniger Generationen deutlich verschieben. Dabei haben klimatische Faktoren hohe Bedeutung. Anhaltend warme Witterung fördert den BkTr, kühlere Saisonen führen eher zu Verschiebungen zum EbTr.

Die Biologie beider Traubenwicklerarten ist weitestgehend gleich verlaufend.

Es treten prinzipiell zwei Generationen pro Jahr auf.

Die Überwinterung der Tiere erfolgt als Puppe in einem Ruhestadium an geschützten Orten (z.B. Rebborke). Im Frühjahr bei Temperaturen wird die Verpuppung abgeschlossen und es schlüpfen die ersten Falter.

Die Nachkommen dieser Falter sind die erste Traubenwicklergeneration des neuen Jahrs. Die Raupen der 1. Generation (Heuwurm) können Blütenknospen durch Fraß dezimieren und u. a. durch Verletzungen den Botrytisbefall der Gescheine fördern. Ein geringer Heuwurmbefall bedeutet nicht unmittelbar einen wirtschaftlichen Schaden, da die Ausfälle durch besseres Wachstum der verbliebenen Beeren ausgeglichen werden. Bei hohem Befallsdruck sind jedoch gezielte Behandlungen auch gegen die Heuwurmgeneration angezeigt

In der gefährlicheren 2. Generation (Sauerwurm) bohren sich die Raupen rasch in die Haut der Beeren ein und höhlen diese aus. Dies führt später oft zur Sauerfäule ausgelöst durch Sekundärbesiedlung durch Botrytis. Der Schaden kann je nach Gebiet und Lage fast die ganze Ernte vernichten. Auch ein geringer Sauerwurmbefall kann bei feuchter Witterung große Schäden hervorrufen und sich negativ auf die Qualität des Traubenmaterials auswirken. Die 2. Traubenwicklergeneration ist auch bei geringem Befallsdruck gezielt zu bekämpfen. Nur in isolierten Anlagen ohne Traubenwicklerauftreten kann auf eine Behandlung des Sauerwurms verzichtet werden (visuelle Kontrollen auf Heuweurmbefall, Pheromonfallenbeobachtung).
In sehr warmen Jahren kann zur Lese noch eine schwache 3. Traubenwicklergeneration (Süßwurm) auftreten.